Ich bin zweimal durch eine Schwangerschaft mit Hyperemesis Gravidarum gegangen. Ich weiss, wie es ist, wenn du morgens aufwachst und das Erste, was du denkst, nicht Vorfreude ist, sondern die Frage, wie du diesen Tag überstehen sollst.
- Hyperemesis ist keine starke Morgenübelkeit, sondern eine eigene Erkrankung.
- Neben der medizinischen Behandlung kann auch emotionale Unterstützung nötig sein.
- Was in den schlimmsten Tagen hilft, ist nicht Ablenkung, sondern jemand, der nicht erschrickt.
- Du musst nicht dankbar sein, um eine gute Mutter zu werden.
Hyperemesis ist keine starke Morgenübelkeit. Hyperemesis betrifft bis zu drei von hundert Schwangeren. Starke Übelkeit und Erbrechen können dazu führen, dass Essen und Trinken kaum möglich sind. Austrocknung und Gewichtsverlust sind mögliche Folgen. Die Behandlung kann Medikamente, Infusionen und manchmal einen Klinikaufenthalt umfassen. Und trotzdem bleibt danach etwas übrig, für das sich niemand zuständig fühlt.
Was medizinisch behandelt wird und was nicht
Deine Ärztin kümmert sich um deinen Flüssigkeitshaushalt, um dein Gewicht und um die Werte deines Blutes. Das ist wichtig und das gehört an erster Stelle. Was dabei selten Platz hat, ist die Frage, wie es dir eigentlich geht.
- Die Einsamkeit, wenn dein Umfeld denkt, du übertreibst.
- Die Scham, wenn du nicht das fühlst, was eine Schwangere angeblich fühlen sollte.
- Die Angst vor jedem einzelnen kommenden Tag.
- Die Schuldgefühle gegenüber deinem Baby, deinem Partner, deiner Arbeit.
Diese Seite verschwindet nicht, wenn das Erbrechen nachlässt. Sie bleibt oft noch lange danach, und bei vielen Frauen kommt sie in einer zweiten Schwangerschaft mit voller Wucht zurück.
Was mir und den Frauen, die ich begleite, geholfen hat
Es gibt keinen Trick, der Hyperemesis wegmacht. Was es gibt, sind Dinge, die die Tage erträglicher machen und dich davor bewahren, dich selbst zu verlieren.
- Den Tag kleiner machen. Nicht die Woche planen, nicht den Monat. Nur die nächsten zwei Stunden.
- Einen Plan für die schlimmsten Momente haben. Wen rufst du an, was hilft dir, was sagst du dir selbst. Aufgeschrieben, bevor du ihn brauchst.
- Aufhören, dich zu vergleichen. Weder mit anderen Schwangeren noch mit dir selbst vor der Schwangerschaft.
- Jemanden haben, der nicht erschrickt. Jemand, dem du sagen kannst, dass du gerade nicht schwanger sein willst, ohne dass er sofort widerspricht.
- Hilfe annehmen, bevor es unerträglich wird. Nicht erst, wenn du am Ende bist.
Du musst nicht dankbar sein, um eine gute Mutter zu werden. Du darfst diese Schwangerschaft schrecklich finden und dein Kind trotzdem lieben. Beides passt gleichzeitig in dich hinein.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Nicht erst dann, wenn du nicht mehr kannst. Sondern sobald du merkst, dass du die Tage nur noch absitzt, dass du dich zurückziehst oder dass du Angst vor einer weiteren Schwangerschaft entwickelst. Mehr über Hyperemesis Gravidarum findest du auf der Themenseite.
Wenn du gerade mittendrin bist und niemanden hast, der versteht, wie es dir wirklich geht: melde dich. Das erste Gespräch kostet nichts und verpflichtet dich zu nichts.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn es dir sehr schlecht geht, wende dich bitte an deine Ärztin, deine Hebamme oder in einer Krise an die Dargebotene Hand unter Telefon 143.
Fachinformationen zur Einordnung: RCOG: Hyperemesis. Quellen geprüft am 10. September 2026. Die Einordnung auf dieser Seite ersetzt keine medizinische Beurteilung.





